Mich erreichen einige Mails von Müttern, die mir Folgendes rückmelden:

„Toll, was Du machst, aber mein Kind isst einfach kein Gemüse. Und so gesund schon mal gar nicht.“

 

Ja. Glaube ich. Sehe ich auch recht oft, wenn ich projektmäßig in der Schule bin. Die Kinder, die mitmachen, erklären mir ellenlang, was sie alles nicht mögen. Zucchini, Tomaten und Auberginen sind da ganz hoch im Kurs. Ich glaube, dass es darum aber überhaupt nicht geht.

Was mache ich, wenn Kinder in die Küche kommen und mir erklären, dass sie einiges von dem, was sie da sehen, nicht mögen? Ich diskutiere das nicht oder bettel darum, dass sie wenigstens einmal probieren, bevor sie behaupten können es nicht zu mögen. Das schenke ich mir. Das ist auch überhaupt nicht mein Auftrag.

Ich nehme das freundlich zur Kenntnis und beschäftige mich nicht weiter damit. Ich mache da einfach nix draus.

 

Wir kochen einfach.

 

Ich habe noch nie ein Kind gesehen, das Tomaten nicht mochte, sie aber trotzdem nicht geschnippelt hat 😉

Kochen tun sie erstmal alle mit. Und genau darum geht es. Sie beschäftigen sich mit allen anderen Sinnen mit dem Lebensmittel. Wir schauen uns Lebensmittel an, fassen sie an, bearbeiten sie. Wir stellen fest, wie sie duften. Und manches ist eben angenehm und ansprechend. Und manches eben nicht. Aber auch das spielt keine Rolle.

 

Wir kochen einfach. 

 

Ich traue den Kindern zu, dass sie das können. Ich lasse sie alleine schnippeln. Und ja – ich habe sogar extra scharfe Messer gekauft. Ich habe keine Ahnung, wie Kinder mit stumpfen Messern eine Paprika befriedigend schneiden können. Denn ich kann es auch nicht. Ich kann ihnen nur zeigen, wie sie ihre Finger halten können, damit sie sich sicher nicht verletzen.

Ich lasse sie alleine würzen. Ich sage ihnen nicht, ob nach meiner Meinung nach noch irgendwas mehr oder weniger dran muss. Sie sollen ja ihren eigenen Geschmack entwickeln. Nicht meinen. Und plötzlich spielt es auch keine Rolle mehr, ob sie nun Tomaten mögen oder nicht. Es ist völlig egal.

Ich glaube, wir müssen Kinder mit dem Essen mehr in Ruhe in lassen. Ja! Im ernst! Wir puzzeln meist zu viel an ihnen rum.

„Pobier doch wenigstens mal!“

„Neulich hast Du es aber ohne Probleme gegessen!“

„Du weißt doch gar nicht wie es schmeckt!“

„Du brauchst Gemüse, sonst kannst Du nicht gut denken!“

 

Als ob das jemals bei irgendwem geholfen hätte…

 

Was aber nachweislich hilft, ist, dass Kinder mit Lebensmitteln konfrontiert werden und sie auf ihre Art und Weise kennen lernen dürfen. Da muss der Geschmack nicht an erster Stelle stehen. Die Erfahrung zeigt, dass die häufige entspannte Auseinandersetzung mit einem Lebensmittel dazu führt, dass Kinder dieses später mögen werden.

[Ich würde an dieser Stelle sooooo gerne ein Foto von Madita setzen, was zeigt, wie sie mal mit Händen und Füssen Spaghetti Bollo „erfahren“ hat. Da sie mich dafür aber später hassen wird, lasse ich das. Stell es Dir einfach grandios vor!]

Dafür liebe ich übrigens Wraps. Sie können genau das. Hier ein Rezept, was die Kinder beim letzten Kochprojekt gemacht haben:

 

Zutaten für bunte Wraps für Gemüsemuffel:

Weizenvollkornfladen (ja – ich hab jetzt welche gefunden!)
Frischkäse, Kräuter und natur
Kresse
Kopfsalat
Möhren
Gurke
Tomaten
Gelbe Paprika
Geriebenen Käse
Aufschnitt

 

Zubereitung:

Den Kopfsalat grob pflücken und das Gemüse möglichst klein bzw. dünn schneiden. Hier haben wir lila Möhren mit dem Sparschäler in lange Streifen geschnitten.
Den Wrap mit Frischkäse bestreichen und nach Herzenslust belegen.

Die Seiten etwas einklappen und von vorne fest aufrollen. Etwas andrücken.

In der Mitte aufschneiden.

Und dann natürlich angeben, wie schön die Schnittseite aussieht 😉

Wenn Dein Kind auch ein Gemüsemuffel ist, dann sind vielleicht Wraps genau der richtige Einstieg. Und wenn sie es nicht gleich probieren oder essen wollen – keep cool und einfach stumpf weiter machen. Und wenn Kinder am Ende nicht alles mögen, dann ist es so. Als Erwachsener mag man doch auch nicht alles, oder?